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Venture Capital: Das sollten Sie wissen

Unter dem Begriff „Venture Capital“ versteht man jene Form der Kapitalbeteiligung, die außerhalb der Börse stattfindet und unter den Sammelbegriff „Private Equity“, also privates Beteiligungskapital, fällt. Venture-Capital-Geber sind zumeist Banken und Kreditinstitute, große Unternehmen oder auch Versicherungen; private Investoren gibt es weniger häufig. Im folgenden Abschnitt haben wir die wichtigsten Fragen zum Thema Venture Capital für Sie zusammengefasst:

Was versteht man unter Venture Capital?

Konkret versteht man unter Venture Capital eine Investitionsform, die sehr risikobehaftet ist und insbesondere in der Beteiligungsfinanzierung von Startups Anwendung findet. Auf Deutsch bedeutet Venture Capital Risiko- oder Wagniskapital. Venture-Capital-Geber investieren dabei einen Teil ihres Eigenkapitals in meist junge, innovative Unternehmen und erwarten sich – bei teilweise sehr hohem Risiko – einen entsprechend hohen Gewinn. Für ihr Investment erhalten sie Firmenanteile, die sie nach einer gewissen Laufzeit verkaufen können oder die durch einen späteren möglichen Börsengang des Unternehmens in Aktien umgewandelt werden und so in ihrem Wert steigen können. Venture Capital als solches wird nicht an der Börse gehandelt; es handelt sich also um eine Form des Private Equity.

Die Investition in Venture Capital ist relativ einfach: Der Investor investiert sein Vermögen in einen Investmentfonds einer Venture-Capital-Gesellschaft, die wiederum mehrere ausgewählte Startups mit Geldmittel der Venture-Capital-Geber versorgt. Diese Investoren erhalten im Gegenzug Firmenanteile, die ihnen – je nach vertraglicher Ausgestaltung – gewisse Mitspracherechte garantieren. Das investierte Risikokapital muss vom Startup an die Investoren nicht zurückgezahlt oder verzinst werden.

Die übliche Lebensdauer eines VC-Investments beträgt zehn Jahre. Danach scheiden Kapitalgeber durch den Verkauf ihrer Beteiligung üblicherweise auch aus dem operativen Geschäft aus. Man gliedert diese Lebensdauer in zwei Phasen: die Invest-Periode und die Harvest-Periode. In der ersten Phase geht es um die Beschaffung von Geldgebern, in der zweiten Phase werden die Früchte der Investition geerntet. Für das Management des Investment-Fonds wird eine Gebühr von üblicherweise 2 % der Investmentsumme pro Jahr fällig, die an die Fondsgesellschaft zu zahlen ist. Wenngleich VC-Fonds hohe Renditen erbringen können, unterliegen sie auch einem ebenso hohen Risiko. Deshalb wird das Fondskapital durch die Fondsgesellschaft meist auf mehrere Beteiligungen verteilt („Diversifikation“). 

Welche Formen von Venture Capital gibt es?

Im Rahmen des Venture Capitals unterscheidet man primär nach der Art der Beteiligung:

  • Direkte Beteiligung: Bei dieser Methode beteiligt sich der Investor direkt und ohne „Zwischenhändler“, also nicht über eine Fonds- oder Beteiligungsgesellschaft. Dies ist häufig bei klassischen „Business Angels“ der Fall. 
  • Indirekte Beteiligung: Das Pendant dazu stellt die indirekte Beteiligung dar, bei der der Investor in einen Fonds einer Venture-Capital-Gesellschaft und nicht direkt in das Startup investiert.
    • Fondsabhängig: Hier erfolgt die Beteiligung am Unternehmen indirekt über einen Venture-Capital-Fonds, der von der VC-Gesellschaft verwaltet wird.
    • Fondsunabhängig: Es gibt auch VC-Gesellschaften, bei welchen das Investment direkt in die Gesellschaft und nicht über einen Fonds geht.

Für welche Zielgruppe ist Venture Capital interessant?

Insbesondere für Jungunternehmer bzw. Startups ist diese Form der Beteiligungsfinanzierung interessant, da sie – anders als im Rahmen eines Bankkredits – keine Sicherheiten vorweisen müssen. Etablierte Unternehmen können diese Finanzierungsform natürlich ebenso in Betracht ziehen, wenn sie beispielsweise bereits einen Bankkredit aufgenommen haben und für die Entwicklung neuer Produkte oder den Schritt in neue Märkte einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf haben. Doch nicht nur die finanzielle Beteiligung ist für viele Startups von Relevanz: Dadurch, dass sie sich erfahrene Investoren mit an Bord holen, profitieren sie auch von deren Wissen und Erfahrungsschatz und können diese als Ratgeber heranziehen. Darüber hinaus sind Venture-Capital-Geber als langjährige Unternehmer meist gut vernetzt, was Jungunternehmern ebenso zugutekommt.

Auf Investoren-Seite ist das Venture Capital besonders für risikoaffine Unternehmer spannend, die sich auch mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung in noch nicht etablierte Unternehmen einbringen möchten und diesen zu künftigen Erfolgen verhelfen wollen. Man nennt Investoren, die sich nicht nur finanziell, sondern auch proaktiv und konstruktiv in die Steuerung junger Unternehmen einbringen, auch gerne „Business Angels“.

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Finanzierung mit Venture Capital: Wie läuft eine Finanzierungsrunde ab?

Im Rahmen einer Venture-Capital-Finanzierung gibt es für Startups einige Phasen zu durchlaufen:

  1. Pitch-Präsentation: Die Jungunternehmer präsentieren ihre Firma, ihre Produkte und ihre Idee im Rahmen eines Pitches an potenzielle Investoren. Diese sollen Einblicke in die Geschäftsidee erhalten und die Machbarkeit derer bzw. deren Chancen und Risiken evaluieren können.
  2. Erstellung des „Term Sheets“: In einem Term Sheet“, also einem Dokument, das die wesentlichen Geschäfts- bzw.  Investitionsbedingungen vorvertraglich zusammenfasst, werden die wichtigsten Eckpunkte der möglichen Beteiligung festgehalten. Neben der Höhe der Finanzierung wird beispielsweise auch die Mitsprache und aktive Beteiligung im operativen Geschäft des Unternehmens festgehalten sowie das Exit-Szenario beschrieben.
  3. Due Diligence: Die Due Diligence sieht eine genau Prüfung der rechtlichen und finanziellen Situation des Unternehmens vor. Zweck ist es, das Startup besser zu verstehen und mögliche Risiken vor Beteiligung aufzudecken und eventuell frühzeitig auszumerzen.
  4. Erstellung des Beteiligungsvertrags: In Zusammenarbeit mit einem rechtlichen Berater oder einem Startup-Consultant wird der Beteiligungsvertrag erstellt und nach eingehender Prüfung von beiden Seiten unterzeichnet.

Welche Phasen gibt es bei einer Venture-Capital-Investition zu beachten?

Die Finanzierung durch Venture-Capital-Anlagen kann in unterschiedlichen Phasen stattfinden, in denen sich das Startup-Unternehmen gerade befindet:

  1. (Vor-)Gründungsphase oder „Seed Stage“: In dieser sehr frühen Phase beschäftigt sich das Startup-Unternehmen zumeist mit der Produktentwicklung und Testung der Marktreife. In dieser Phase besteht für Investoren noch das höchste Risiko, da das Unternehmen noch nicht (wirklich) am Markt tätig ist.
  2. Startup-Phase oder „Early Stage”: In dieser zweiten Phase erfolgt meist der Markteintritt, der in vielen Fällen sehr kapitalintensiv sein kann (Werbung, Bekanntmachung des Unternehmens, etc.).
  3. Wachstumsphase oder „Growth Stage“: In Phase drei geht es darum, das Geschäftsmodell zu skalieren und erfolgreich zu machen. Da hierfür meist größere Investitionen (bspw. in bessere Maschinen, vermehrte Bewerbung und Marketing, Aufbau eines Online-Shops, zusätzliche Mitarbeiter, etc.) getätigt werden müssen, wird in dieser Phase ebenso Kapital benötigt. Das Risiko ist in dieser Phase des Wachstums meist geringer als in den ersten beiden Phasen; es wird für Jungunternehmer leichter, Geldgeber zu finden.
  4. Spätphase oder „Later Stage“: In der Spätphase haben sich die Startups zu gewinnbringenden Unternehmen gewandelt und benötigen oft gar keine Beteiligungsfinanzierungen mehr. In dieser Phase wird eher der „Exit“, also das Ausscheiden der früheren Investoren, zum Thema. 

Anhand der unterschiedlichen Phasen unterscheiden sich häufig auch die Investment-Bedürfnisse der Unternehmen. Während manche mit einer einmaligen Finanzspritze zufrieden sind, benötigen andere Startups vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt eine Kapitalerhöhung, die von den Investoren in Tranchen zur Verfügung gestellt werden kann.

Was sind die Vor- und Nachteile von Venture Capital?

Aus Sicht des Startups überwiegen klar die Vorteile, die sich durch eine Venture-Capital-Finanzierung ergeben:

  • Liquidität und Planungssicherheit: Durch die finanzielle Absicherung durch externe Kapitalgeber erhält das Unternehmen liquide Mittel, die in der mittelfristigen Planung dabei helfen, das Unternehmen weiterzuentwickeln und Innovationen voranzutreiben, ohne sich Sorgen um Kreditrückzahlungen machen zu müssen.
  • Knowhow der Investoren: Durch den angehäuften Wissensschatz der Investoren profitieren gerade Jungunternehmer und können so von erfahrenen Beratern lernen, die wiederum selbst Interesse am Erfolg des Unternehmens haben und somit dieselben Ziele verfolgen.
  • Netzwerke nutzen: Auch stellen Investoren meist Kontakte ihrer breiten Netzwerke den Jungunternehmern zur Verfügung, wodurch Partnerschaften und Kooperationen entstehen können.

Als Nachteile gesehen werden könnten seitens der Investment-Nehmer:

  • Mitspracherecht: Mit der finanziellen Unterstützung kaufen sich Unternehmer auch in die Entscheidungsgremien der Startups ein, was aus deren Sicht zu einem gewissen Kontrollverlust führen kann.
  • Änderungen in Strukturen und Prozessen: Durch die Beteiligung werden Investoren zu Miteigentümern und somit auch zu Entscheidungsträgern, was Änderungen in bereits aufgebauten Strukturen mit sich bringen und zu langwierigeren Entscheidungsprozessen führen kann.

Für Investoren stehen hohe potenzielle Renditen (Return on Investment = ROI) einem hohen Verlustrisiko gegenüber, da sich eine Rendite nur durch Wertsteigerung des Unternehmens generieren lässt. Totalverluste sind in einem Jungunternehmer-Umfeld nicht ausgeschlossen und kommen durchaus häufig vor. 

Fazit

Venture Capital stellt im Rahmen von Private Equity eine interessante Form der Beteiligungsfinanzierung von Startups dar: Wenngleich das Risiko aus Investorensicht sehr hoch ist, versprechen sich viele VC-Geber hohe Renditen und unterstützen die Jungunternehmer auch mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung und ihrem Netzwerk. VC-Nehmer sollten sich des möglichen Kontrollverlusts bzw. einer gewissen Einmischung durch Investoren bewusst sein und vorab potenzielle Exit-Szenarien der Geldgeber planen.

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