Gründungsprivilegierte GmbH ersetzt GmbH Light

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Um die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in Österreich zu vereinfachen, wurde 2013 die sogenannte „GmbH Light“ eingeführt. Diese neue Form ermöglichte es Gründern, mit einem geringeren Startkapital von 10.000 EUR (statt bisher 35.000 EUR) eine GmbH rechtskräftig zu gründen. Hintergrund für diese Vereinfachung war die Tatsache, dass Österreich im europäischen Vergleich mitunter die höchsten Anforderungen an das Stammkapital hatte (im EU-Schnitt waren dies nur rund 8.000 EUR) und auch die damit verbundenen Gründungskosten im Vergleich sehr hoch waren. Um die GmbH insbesondere für Jungunternehmer und Start-Ups attraktiver zu machen, wurde die GmbH Light eingeführt. Neben der verringerten Mindesteinlage führte dies auch zu einer Reduktion der damit anfallenden Kosten (insb. Eintragungsgebühren und Notarkosten) sowie einer reduzierten Körperschaftssteuer. Auch musste für die Gründung einer GmbH seither keine Gründungsanzeige mehr in der Wiener Zeitung (für ganz Österreich) erfolgen, die auch mit Kosten verbunden gewesen war. Bereits ein Jahr später, 2014, wurde diese finanzielle Erleichterung bei der Gründung jedoch wieder ad acta gelegt und die „GmbH Light“ durch die „Gründungsprivilegierte GmbH“ ersetzt. 

Was ist bei einer GmbH-Gründung zu beachten?

Um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in Österreich zu gründen, bedarf es eines Gesellschaftsvertrags bzw. einer Erklärung über die Errichtung der Gesellschaft, der bzw. die von einem Notar unterzeichnet werden muss. Die Erklärung muss gewisse Mindestinhalte aufweisen (Sitz, Unternehmensgegenstand, Stammeinlage, Namen der Gesellschafter, etc.). Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine GmbH-Gründung auch vereinfacht mittels standardisierter Formulardokumente online durchgeführt werden. Dazu muss die Gründung durch eine natürliche Person erfolgen, die zugleich einziger Gesellschafter ist. Die Erklärung kann dann online abgegeben und mittels elektronischer Signatur (Bürgerkarte oder Handy-Signatur) unterzeichnet werden.

Zuerst erfolgt der Schritt zur Bank, wo sich der Gründer mit einem amtlichen Lichtbildausweis identifiziert, die Stammeinlage einzahlt und eine Muster-Unterschrift bei der Bank hinterlegt. Abschließend erhält er eine Bestätigung über die Einzahlung des Stammkapitals. Dieses beträgt bei einer „normalen“ GmbH-Gründung 35.000 EUR, wovon bei Gründung 17.500 EUR in bar einzuzahlen sind. Handelt es sich um eine gründungsprivilegierte GmbH, so verringert sich der Einzahlungsbetrag auf 5.000 EUR (= 50% der Stammeinlage von 10.000 EUR).

Die Bank leitet danach die Identifizierungsdaten, die Bankbestätigung und die Musterzeichnung an das zuständige Firmenbuchgericht weiter. Der Gründer kann sich nun im Unternehmensserviceportal („USP“) der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) mittels elektronischer Signatur identifizieren und die Erklärung über die Errichtung der Gesellschaft als auch den Antrag auf Eintragung der Gesellschaft an das zuständige Firmenbuchgericht elektronisch übermitteln. 

Anschließend sind vom Gründer die vorgesehenen Gebühren für die Eintragung mittels Einzugsermächtigung zu bezahlen. Dafür muss ein vom (neuen) Firmenkonto abweichendes Konto angegeben werden. Hat der Gründer Anspruch auf Förderungen nach Neugründungsförderungsgesetz, so entfallen die Gebühren.

Wie unterscheiden sich gründungsprivilegierte GmbH, GmbH Light und reguläre GmbH?

Auch für eine gründungsprivilegierte GmbH beträgt das Stammkapital 35.000 EUR. In der (Gründungs-)Errichtungserklärung kann aber vorgesehen werden, dass die gründungsprivilegierten Stammeinlagen auf 10.000 EUR reduziert werden. Davon ist bei einer vereinfachten Gründung die Hälfte (5.000 EUR) sofort in bar einzuzahlen; Sacheinlagen sind – anders als bei einer „normalen“ GmbH-Gründung – ausgeschlossen. Dieses Gründungsprivileg besteht für maximal zehn Jahre ab Eintragung der Gesellschaft in das Firmenbuch. Es führt in der Praxis dazu, dass die Gesellschafter (trotz des nominellen Stammkapitals von 35.000 EUR) innerhalb dieser Frist insgesamt höchstens 10.000 EUR als Stammeinlagen einzuzahlen haben, was gerade für Jungunternehmer in der Anfangsphase eine große finanzielle Erleichterung darstellt. 

Diese Vereinfachungenbetreffen nur die Neugründung einer GmbH – im Rahmen der GmbH Light war die Reduktion der Stammeinlage auch für bereits gegründete Unternehmen nachträglich möglich. 

Körperschaftssteuer

Auch auf die Mindest-Körperschaftssteuer (KÖSt) hat die gründungsprivilegierte GmbH Auswirkungen: Wurden im Rahmen der GmbH Light die KÖSt-Sätze von 1.750 EUR auf 500 EUR jährlich herabgesetzt, so sieht die gründungsprivilegierte GmbH nun eine Reduktion der KÖSt nur mehr für die ersten fünf Jahre vor. In den folgenden fünf Jahren wird der KÖSt-Satz auf 1.000 EUR jährlich (bzw. 250 EUR pro Quartal) angehoben. Danach gelten die regulären Steuern von 1.750 EUR bei einem Stammkapital von 35.000 EUR.

Haftung

In puncto Haftung unterscheiden sich die verschiedenen Ausgestaltungen der GmbH nicht: Auch bei einer gründungsprivilegierten GmbH haften die beteiligten Gesellschafter nur in Höhe ihrer eingebrachten Einlage, nicht mit ihrem Privatvermögen. Kommt es zu einer Insolvenz innerhalb der ersten zehn Jahre, haften die Gesellschafter einer gründungsprivilegierten GmbH nur mit ihrem Stammkapital von 10.000 EUR, sofern die Aufstockung auf 35.000 EUR noch nicht erfolgt ist. 

Kurz zusammengefasst die Unterschiede der drei GmbH-Varianten

  • GmbH „regulär“: Stammkapital von mind. 35.000 EUR, 50 % davon müssen bei Gründung in bar aufgebracht werden. Sacheinlagen sind ebenso möglich. 
  • Gründungsprivilegierte GmbH: Seit 01.03.2014 möglich; Stammkapital von mind. 35.000 EUR erforderlich, Gründung mit 10.000 EUR jedoch bereits möglich, davon 50% in bar aufzubringen. Geringere Körperschaftssteuer in den ersten zehn Jahren. Geringere Gründungskosten.  
  • GmbH Light: Nur im Zeitraum 01.07.2013 bis 28.02.2014 möglich; Stammkapital von mind. 10.000 EUR, davon 50% in bar aufzubringen. Sacheinlagen nicht möglich. Geringere Körperschaftssteuer. 

Fazit

Wenngleich die gründungsprivilegierte GmbH deutliche finanzielle Erleichterungen für Gründer vorsieht, so ist sie doch nicht mit der GmbH Light zu vergleichen. Die Anforderungen an das aufzubringende Stammkapital sind bei der gründungsprivilegierten GmbH mit jenen einer regulären GmbH gleichzusetzen; lediglich in den ersten zehn Jahren können Neugründer finanziell von verringerten Körperschaftssteuern und geringeren Gründungskosten profitieren. Im Vergleich dazu hätten diese Vorteile bei einer GmbH Light auch über die ersten zehn Jahre hinaus gegolten; dieses Privileg wurde allerdings nach weniger als einem Jahr wieder abgeschafft. 



Autor: Christoph Luegmair